Der zweite Hamburger Rundfunk Sender

 

Bei der Eröffnung des deutschen Rundfunks war zunächst nur an die Benutzung von Röhrenempfängern gedacht. Es stellte sich aber sehr bald heraus, dass die Bevölkerung - es war ja unmittelbar nach Abschluss der Inflation - bei weitem nicht kaufkräftig genug war, sich derartige Empfänger, die damals immerhin rund 400 RM kosteten, anzuschaffen.

Mit dem Amtsblatt des Reichspostministeriums Nr.46 vom 14. Mai 1924, wurde die Genehmigung zum Selbstbau von Detektor- und Röhrenempfängern gegeben, die sogenannte Audio-Versuchserlaubnis für den Rundfunkhörer.

Der Empfang mit diesen einfachen Detektorgeräten und Kopfhörern war aber nur innerhalb eines Kreises von etwa 12 km möglich, damit war folglich nur das eigentliche Stadtgebiet von Hamburg und Altona versorgt; in Harburg und in dem größeren Teil von Wandsbek waren die Verhältnisse dagegen sehr unbefriedigend.

 

Da bei den anderen deutschen Rundfunk-Sender die gleichen Bedingungen herrschten, wurden vom Telegraphentechnischen Reichsamt in Berlin schon sehr bald wesentlich stärkere Sender, mit einer Röhrenleistung von 10 kW, in Auftrag gegeben.

Nach vorbereiteten Messungen, die vom Telegraphentechnischen Reichsamt mit Unterstützung der Reichspostdirektion Hamburg ausgeführt wurden, entschloss man sich, den neuen Sender nördlich von Hamburg und zwar im Telegraphen-Zeug-Amt (TZA) in Lokstedt, auf preußischem Gebiet, aber in unmittelbarer Nähe zur Hamburger Stadtgrenze, aufzustellen.


 

Die damaligen Bestimmungen der dt. Reichspost sagten aus, dass die Sendegesellschaft (also die NORAG) für die Unterbringung der Sendeapparaturen Sorge tragen müsse.
Nachdem das TZA Lokstedt als neuer Sender-Standort festgelegt wurde, errichtete die NORAG
ihrerseits hier ein Holzhäuschen, das für die Unterbringung der gesamten technischen Einrichtungen diente. In seinem Inneren wurden Räume für die Generatoren, Akkumulatoren, künstliche Antenne und dem Hochfrequenzteil geschaffen.

Dieses war erst einmal nur als Zwischenlösung gedacht, blieb aber bis zur Außerdiensstellung des Senders (1934) in Betrieb.


Für die Anodenspannungs-Erzeugung des neuen Senders wurden im Maschinensaal 2 Drehstrom-Gleichstrom-Umformer mit 2 Kollektoren vom Typ "ZR 200" der Firma Ziehl-Abegg, Berlin aufgestellt. Einen für den Betrieb und einen als Reserve.

Die Ladung der 24 V Heiz-Akkumulatoren erfolgte durch einen AEG Lade-Umformer vom Typ VDN 110/4. (380 V, 10 kW - HUT 250, 30-45 V, 7,8 kW). Auch hier hatte man eine zweite Maschine als Reserve vorgesehen.

Der für die Maschinen benötigte 380 V Drehstrom wurde durch die Umspannstelle des Telegraphenzeugamtes in Lokstedt geliefert.

 

Zur Heizung der Senderröhren dienten zwei Akkumulatoren-Batterien, eine Betrieb und eine zur Ladung, je 24 V/1300 Ah, geliefert von der Akkumulatorenfabrik AG in Hagen/Westf.

Zwei weitere Batterien, ebenfalls für Betrieb und Ladung, speisten die Heizfäden der Modulationsröhren.

Zur Bedienung und Überwachung aller Stromquellen diente eine 9teilige Schalttafel.

ihrerseits